12. Theosophie, Sittlichkeit und Gesundheit
Wenn dies aber der Fall ist: warum ist diese Liebe im Leben nicht allgemein verbreitet? Warum begegnet man so vielem Kampf, Streit, Haß? — Der Theosoph gibt darauf heute die Antwort, die er aus dem wahrhaften Kern der großen Menschheitslehren empfangen hat, derjenigen, die stets vom Streit zur Eintracht, vom Haß zur Liebe, vom Kampf zum Frieden geführt haben. Es ist das Wesentliche der theosophischen Vorstellungsart, daß man durch sie zu der unerschütterlichen Überzeugung gelangt, in Seele und Geist seien die wahrhaftigen Kräfte und Ursachen von allem, was in der Welt geschieht, und nicht in dem, was die äußeren Sinne beobachten und verlangen. Wer zu einer solchen Überzeugung gelangt ist, dem ist auch klar, daß wahre Vorstellungen und Gedanken die edelsten Kräfte in den Seelen wachrufen, und daß Streit, Haß und Kampf die Folge sind von Irrtum und Verblendung. So lange man es für gleichgültig hält, was der Mensch denkt, so lange mag man auch auf die Verbreitung gewisser Lehren keinen besonderen Wert legen. Ist man sich aber klar darüber geworden, daß die Welt nicht blinden Kräften, sondern göttlicher Weisheit ihren Ursprung und ihre Einrichtung verdankt; daß Weisheit überhaupt die Ursache aller Entwickelung und alles Fortschrittes in der Welt ist, dann wird man sich auch zu der Erkenntnis durchringen, daß die Güte des Herzens aus dessen Zusammenstimmung mit dieser göttlichen Weisheit entspringen muß.
Cite:
GA 34/12_theosophy_morality_and_health/p004 · edition original