12. Theosophie, Sittlichkeit und Gesundheit
In unserer Zeit wird solches allerdings schwer verstanden. Was könnte dem gegenwärtigen Denken phantastischer erscheinen, als wenn jemand behauptet, physische Krankheit habe etwas mit Irrtum, Gesundheit aber mit wahren und richtigen Vorstellungen zu tun? Die Zukunft wird zeigen, daß wirklicher Aberglaube nicht in dem Bekenntnis zu dieser Behauptung, sondern in dem Leugnen derselben besteht. Wer die Seele und den Geist wahrhaft erkennt, der macht sie nicht zu Anhängseln des Materiellen, sondern er sieht sie als Beherrscher des letzteren an. Und das Wesen von Seele und Geist sind Wahrheit und Weisheit. Nicht bloß in äußerlicher Weise stiften Wahrheit und Weisheit das Gute und Vortreffliche, sondern sie schaffen als Kräfte der Seele und des Geistes das Vollkommene in der Außenwelt. — Nicht in einer kurzen Auseinandersetzung, wie sie hier gegeben werden soll, kann es bewiesen werden, wohl aber wird es durch das Eindringen in die Theosophie für jeden einleuchtend, daß Gesundheit des Körpers die Folge von Weisheit und Wahrheit der Seele, Krankheit aber die Wirkung des Irttums und der Unweisheit ist. Wer in diese Behauptung einen oberflächlichen Sinn legt, der muß sie verkennen, und kann sie dann nur phantastisch finden. Den billigen Einwand, daß es doch sehr weise Menschen mit schwacher Gesundheit, und robuste Menschen mit geringer Weisheit gibt, kann sich doch wohl auch derjenige selbst machen, welcher die obige Behauptung aufstellt. So einfach liegen aber die Dinge allerdings nicht, daß mit diesem Einwande etwas Erhebliches gesagt wäre. Ursache und Wirkung, Irrtum und Übel liegen oft weit auseinander. Und schon um in den Sinn einer solchen Behauptung einzudringen, muß man sich tiefer mit der theosophischen Geistesart einlassen.
Cite:
GA 34/12_theosophy_morality_and_health/p006 · edition original