{"corpus":"steiner","locus":"GA 34/30_how_does_buddha's_teaching_relate_to_theosophy/p002","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Teilweise ist die Antwort auf diese Frage wohl schon in dem gegeben, was in dem vorigen Heft in Anknüpfung an Annie Besants Buch «Die vier Religionen» gesagt worden ist. — Die ursprüngliche Brahmanenlehre, deren Ausdruck man im Hinduismus, in den Upanishaden findet, bekam in Buddhas Lehre eine solche Gestalt, die dem Begriflsvermögen des Volkes angemessen war. Aus einer Lehre, die mehr auf Erkenntnis gerichtet war, sollte durch den Buddhismus eine solche werden, die der Erhöhung und Läuterung der sittlichen Kraft, dem unmittelbaren Leben dient. Damit soll nicht gesagt werden, daß der Buddhismus etwas wesentlich Neues, oder gar anderes lehrte als der alte Brahmanismus. Es lag vielmehr alles, was der Buddha lehrte, schon in jenem. Und wer den Brahmanismus richtig erfaßte, von dem kann gesagt werden, daß er Buddhist vor dem Buddha war. Es ist, wie wenn jemand eine Pflanze beschreibt, die vorher schon viele beschrieben haben; nur. mit dem Unterschiede, daß er Eigenschaften besonders hervorhebt, zu deren besonderer Besprechung seine Vorgänger keine Veranlassung fühlten. Dem Brahmanismus liegt eine Weltauffassung zugrunde. Der Buddha zeigte, wie man zu leben habe, damit es im Sinne dieser Weltauffassung geschehe. Es kann jemand im Sinne einer Weltauffassung leben, ohne daß er sie völlig erkennend durchschaut. Ja, er wird sie später um so besser erfassen, wenn er schon vorher in ihrem Sinne gelebt hat. Ein solches wollte der Buddha bei denen erreichen, die ihm folgten. Wenn er es ablehnte, über die übersinnlichen Dinge zu sprechen, so war es nicht deshalb, weil er diese für unerkennbar hielt, oder gar leugnete; sondern weil er die Menschen *zuerst* auf ein Leben hinweisen wollte, das sie dann befähigt, zum Übersinnlichen zu dringen. Er leugnete nicht die Ewigkeit der Seele; aber er wollte nicht, daß sich seine Anhänger in Spekulationen über diese Ewigkeit einlassen, bevor sie durch Beobachtung seiner Lebensregeln dazu gelangt sind, daß sich ihr eigenes Leben entsprechend in die geistige Weltordnung einfüge. Man könnte sagen: Buddhas Lehre ist Hinduismus auf das praktische Leben angewendet für Menschen, welche den Zusammenhang dieses Lebens mit den höchsten Geheimnissen noch nicht erfassen können. Der Mensch hat seine Bestimmung im Ewigen; aber nur, wenn er das Zeitliche, das Vergängliche im rechten Lichte sieht, dann ist er auch fähig, sich zum Ewigen in das rechte Verhältnis zu setzen. Das etwa charakterisiert Buddhas Ziel. Deshalb sah er in seinen äußeren Lehren von höheren Wahrheiten ab, und lehrte die Lehre von den Ursachen des irdischen Lebenswandels und von seiner richtigen Läuterung durch den achtfachen Pfad.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"30. Wie verhält sich Buddhas Lehre zur Theosophie?","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":408,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/34/30_how_does_buddha's_teaching_relate_to_theosophy/p002","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/34/30_how_does_buddha's_teaching_relate_to_theosophy/p002"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/34/30_how_does_buddha's_teaching_relate_to_theosophy/p002","paragraph_aligned":true}]}