Reinkarnation Und Karma vom Standpunkte der Modernen Naturwissenschaft Notwendige Vorstellungen

GA 34/e01/p026 · original (original)

Solche Anschauung muß haben, wer den vollen Mut zum naturwissenschaftlichen Glaubensbekenntnis der Gegenwart besitzt. Das soll nicht dahin mißverstanden werden, als ob hier behauptet werde, die Hervorragenderen unter den Neu-Gläubigen seien, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, mutlose Persönlichkeiten. Mut, unbeschreiblich großer Mut gehörte dazu, die naturwissenschaftliche Ansicht gegen die widerstrebenden Mächte des neunzehnten Jahrhunderts durchzukämpfen.[^5] - Aber dieser Mut ist etwas anderes als der höhere dem folgerichtigen Denken gegenüber. Solches folgerichtiges Denken lassen aber gerade Naturforscher der Gegenwart vermissen, die aus den Erkenntnissen ihres Gebietes eine Weltansicht aufbauen wollen. Ist es denn nicht trostlos, daß in einem Vortrage, der auf der letzten Naturforscherversammlung von dem Breslauer Chemiker Albert Ladenburg gehalten worden ist, der Satz vorkommt: «Kennen wir denn ein Substrat der Seele? Ich kenne keins.» Und daß dann, nach diesem — Eingeständnis, von demselben Manne gesagt werden konnte: «Wie wollen Sie es mit der Unsterblichkeit halten? Ich glaube, daß bei dieser Frage mehr als bei jeder anderen der Wunsch der Vater des Gedankens ist, denn ich kenne keine einzige wissenschaftlich erhärtete Tatsache, auf die wir uns bei dem Unsterblichkeitsglauben berufen können.» Was würde der gelehrte Herr wohl sagen, wenn er einem Redner gegenüberstände, der sagte: «Ich kenne nichts von den chemischen Tatsachen. Deshalb leugne ich die chemischen Gesetze, denn ich kenne keine einzige wissenschaftlich erhärtete Tatsache, auf die wir uns bei diesen Gesetzen berufen können.» Da würde doch der Professor sagen: Was geht uns deine Unwissenheit in der chemischen Wissenschaft an; befasse dich doch erst mit Chemie, dann rede. Der Professor Ladenburg kennt kein Substrat der Seele; also soll er die Welt nicht mit den Ergebnissen seiner Unkenntnis behelligen.

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