Dritter Vortrag
Das erste Hauptstück besteht darin, daß man lernt, dasjenige, was man empfängt als Welterkenntnis und Weltempfindung in abstracto, umzuwandeln, so daß man mit innerer Ehrlichkeit sagen kann: Im Urbeginne war das Wort, und aus dem Wort ist alles Entstandene geworden. — Ich bitte Sie, meine lieben Freunde, doch einmal zu betrachten, wie sehr die moderne Christenheit abgekommen ist von dem Verständnis gerade des Johannes-Evangeliums. Bedenken Sie, daß heute allgemein eigentlich nur das Bewußtsein vorhanden ist, man hat in dem Vatergott den Schöpfer der Welt. Der Vatergott, den man noch dazu mit dem Jahvegott — der der jüdische Volksgott ist — verwechselt, wird als der Schöpfergott angesehen, während doch im Evangelium steht: Im Urbeginne war das Wort, und alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses Wort ist nichts von dem Entstandenen geworden. — Dasjenige, was wir als Entstandenes in uns haben, ist das Schöpferische, das Wort in ganz rechtgläubigem Sinn, und von dem Vatergott müßte man eigentlich die Vorstellung haben, er subsistiert allem, und in dem Gottessohn hat er der Welt dasjenige gegeben, was das Schöpferische der Welt bedeutet.
Cite:
GA 342/1921-06-14_02/p033 · edition original