Einundzwanzigster Vortrag
Sehen Sie, wenn ein Vertreter eines religiösen Bekenntnisses wie Frohnmeyer ganz strikte behauptet, wie eine absolut feststellbare Wahrheit, da drüben [im Goetheanum] würde eine Christus-Figur aufgestellt, nach oben mit luziferischen Zügen, nach unten mit tierischen Merkmalen, so ist das eine objektive Unwahrheit. Von einem der Universitätsprofessoren der Theologie von einer benachbarten Universität konnte man hören: Ja, das hat der Frohnmeyer aus bestem Wissen und Gewissen gesagt. -— Man will verzichten, sich von der Tatsächlichkeit dessen zu überzeugen, was man behauptet. Denken Sie einmal, wie anders der Weg der Menschheit wäre, wenn nicht dieses starke Hinneigen zur Subjektivität eingetreten wäre, die sich immer auf bestes Wissen und Gewissen beruft und sich die Prüfung erspart.
Cite:
GA 343/1921-10-06_02/p038 · edition original