Neunundzwanzigster Vortrag
Rudolf Steiner: Ja, nicht wahr, um was es sich dabei handelt, ist, daß man ein Verhältnis zu dem sich begründet, was ich oftmals schon den dreieinigen Gott genannt habe, denn durch diese Verehrung oder Anbetung oder wie Sie wollen des dreieinigen Gottes ist ja alles das vermieden, was, wenn es den Menschen befällt, ihn eigentlich verdirbt oder sogar krank macht. Wenn Sie den dreieinigen Gott nehmen, so vermeiden Sie solche Einseitigkeiten wie die reine, die bloße Naturverehrung, wie sie etwa in einem Sonnendienst ist, in welcher Form auch immer er auftreten kann. Aber Sie haben auch zugleich vermieden — die Sache fordert es —, dann die Gottesvorstellung so weit wegzubringen von dem Menschen, daß man überhaupt nicht mehr einen konkreten Inhalt dafür hat. Denn in der zweiten Gestalt der Gottheit, in der zweiten Person, in dem Christus, ist die Gottheit eben durchaus innerlich menschlich vorzustellen, während wir wissen, daß sie im Vatergott mehr symbolischen Charakter hat. Es ist durchaus so, daß gerade die Ausdehnung unseres Begreifens des Göttlichen über die Dreieinigkeit - wenn wir nun nicht etwa bloß in Definitionen reden, sondern auf das ganz Konkrete eingehen — außerdem dem Gottesinhalt eine Fülle gibt, die durch etwas anderes durchaus nicht erreicht werden kann. Wenn heute manche in einen Naturdienst, in einen Götzendienst zurückverfallen, so ist das aus dem Grund, weil durch ein nicht übersinnliches Erkennen der Gottesbegriff stark entfernt worden ist von dem, was wir nun doch wiederum in der sichtbaren Welt als das sogenannte Vollkommenste in uns haben, in dem Menschen.
Cite:
GA 343/1921-10-10_02/p056 · edition original