Neunundzwanzigster Vortrag

GA 343/1921-10-10_02/p077 ·1921-10-10 · original (original)
Author: Rudolf Steiner
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Rudolf Steiner: Darüber ist ja zu sagen, daß der Marienkult in einem gewissen Zusammenhang steht mit dem Geist-Kult, also mit dem Kultus des Heiligen Geistes, und daß in einer gewissen Beziehung eigentlich alternierend aufgeschaut werden kann auf der einen Seite zum Heiligen Geist, auf der anderen Seite zur heiligen Maria. Es gibt ja sogar eine alte Dreifaltigkeit: Vater, Mutter, Sohn, und es gibt sogar Sekten, die den Heiligen Geist «die Mutter Gottes» nennen. Man hat ja auch in der Tat in der weiblichen Organisation schon der physischen Organisation nach etwas zu sehen ... [Lücke in der Nachschrift], wie ich in diesen Tagen ausgeführt habe. Dem steht allerdings gegenüber, daß der Marienkult von der katholischen Kirche ausgebildet worden ist in einer Zeit, in der von allen diesen Dingen viel zu wenig verstanden worden ist und man daher hier eine Willkür hat walten lassen, wie Sie überhaupt Willkür finden werden in alle dem, was Ihnen angedeutet worden ist in [bezug auf das katholische] Brevier von dem Pfingstfest bis zu den Apostelund Heiligenfesten. Die Heiligenfeste sind, weil man eben nicht eine wirkliche Erkenntnis von diesen Dingen hat, eigentlich in die Willkür verfallen, und manche Dinge, nicht wahr, sind ja wirklich mit der größten Willkür angesetzt, zum Beispiel das Fronleichnamsfest. Beim Fronleichnamsfeste ist ja tatsächlich — bei der genau feststehenden dogmatischen Tradition — gar nicht einmal klar, um was es sich in Wirklichkeit handelt, und, wenn es sich zum Beispiel um den Leichnam des Christus handelt, warum dieses Fest gerade in diese Zeit hineinfällt. Sie brauchen nur die Geschichte solcher Feste anzusehen, so werden Sie sehen, wie da aus der materialisierenden Erkenntnis heraus zahlreiche Unklarheiten aufgetreten sind.

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Cite: GA 343/1921-10-10_02/p077 · edition original