Neunundzwanzigster Vortrag

GA 343/1921-10-10_02/p082 ·1921-10-10 · original (original)
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Und so ist es auch mit dem, was ich gestern in bezug auf Nietzsche gesagt habe. Bei Nietzsche ist das so: Er ist ein Pfarrerssohn, fromm erzogen, die Mutter furchtbar fromm, sie war wirklich eine außerordentlich fromme Frau noch im Alter. Und aus all den Untergründen heraus ... [Lücke in der Nachschrift], da war es eine innere Tragik, ein Bohren gegen sich selbst, daß Nietzsche sich der eigenen Begriffwelt gegenüber benimmt wie ein Henker — das Wort finden Sie übrigens bei ihm selbst. Nun wendet er sich gegen den Christus, und als er in Turin zuletzt dem Wahnsinn verfiel, schrieb er Briefe, worin er sich unterschrieb: «Der Gekreuzigte». Also er schrieb so aus dem Wahnsinn heraus, aber es kann doch aus einem Menschen nicht die Hinneigung zu dem Christus geschwunden sein, der im Wahnsinn «Der Gekreuzigte» unterschreibt, auch wenn er das Buch «Der Antichrist» geschrieben hat. Also, diese Dinge liegen eben so, daß man sie, ich möchte sagen, recht, recht vorsichtig anfassen soll.

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Cite: GA 343/1921-10-10_02/p082 · edition original