Neunundzwanzigster Vortrag
Nun, meine lieben Freunde, es muß alles einmal zu Ende gehen, und wir dürfen jetzt wohl diesen Kursus abschließen, da Sie jetzt nach Hause eilen müssen. Ich werde nur mit einem einzigen Wort noch einmal auf dasjenige verweisen, was ich eigentlich schon heute morgen über die Gemeinschaftsbildung zugleich als eine Art Abschiedswort gesagt habe. Ich möchte glauben, daß vor allen Dingen von diesem Kurs hier wirklich die denkbar ernsteste Auffassung desjenigen ausgehen sollte, was an religiöser Erneuerung durch diejenigen geleistet werden soll, die sich hier schon zusammengefunden haben und durch die, die sich noch weiter hinzufinden werden. Es ist geradezu im tiefsten Sinne des Wortes eine Erleichterung, wenn man heute so etwas hört: Es findet sich eine Gruppe von Menschen, um etwas zu dem Aufsteigen der Menschheit mitzubewirken, die so tief in den Niedergangsbewegungen darinnen ist. Aber lassen Sie nicht außer acht, meine lieben Freunde, man braucht heute Stärke, um für so etwas zu wirken, wie Sie es sich vorgesetzt haben. Sie werden diese Stärke haben können, wenn Ihnen die ganze Größe der Aufgabe vor Augen steht, und wenn Ihnen auf der anderen Seite vor Augen steht, wie stark die Menschheit von dem abgekommen ist, was ihr eigentlich zum Heile gereicht. Wer das Unglück unserer Tage auf dem Gebiet, auf das Sie den Blick gerichtet haben, nur als etwas Kleines sieht, der sieht eben doch mit einem zu bequemen Blick. Nur dann, wenn man die ganze Größe des Niederganges und zu gleicher Zeit die Größe der Aufgabe sieht, die wir haben, dann kann man vorwärtskommen.
Cite:
GA 343/1921-10-10_02/p083 · edition original