Erster Vortrag

GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p007 ·1921-09-26 · original (original)
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Das ist das eine. Das andere ist etwas, was ich am besten dadurch bezeichnen möchte - ich weise immer gern auf Realitäten hin -, daß vor jetzt schon mehreren Jahrzehnten gerade in Basel ein Buch entstanden ist, welches den Titel trägt: «Über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie» — das Buch ist von Overbeck -, worin der Nachweis geführt wird, daß die moderne Theologie zwar eine Theologie ist, aber eben nicht mehr eigentlich christlich ist. Und nun, wenn man Harnacks Buch «Das Wesen des Christentums» nimmt und bei den Auseinandersetzungen, die er dort gibt, überall statt des Namens «Christus» einfach «Gott» hinsetzt, so würde man an dem inneren Gehalt dieses Harnackschen Buches «Das Wesen des Christentums» nichts besonderes ändern. Das drückt sich ja schon darin aus, daß Adolf Harnack sagt, in die Evangelien gehöre eigentlich nur die Verkündigung vom Vater hinein und nicht die des Christus Jesus, während natürlich die früheren Jahrhunderte der christlichen Entwickelung in den Evangelien vor allen Dingen die Verkündigung des Christus Jesus selber gesehen haben. Aber wenn man in den Evangelien wirklich die eigentliche Verkündigung des Christus Jesus sieht, dann muß man neben dem Vater-Erlebnis, das heißt neben dem Erlebnis eines die Welt allgemein durchwirkenden Gottes, das Christus-Erlebnis als ein besonderes haben. Man muß beide Erlebnisse haben können. Ein Theologe wie Adolf Harnack hat nicht mehr die beiden Erlebnisse, sondern nur das eine Gottes-Erlebnis, daher ist er genötigt, dasjenige, was er bei der Vorstellung des Gottes erlebt, auf den Christus-Namen zu taufen; bloß aus dem historischen Grunde, weil er eben ein Vertreter des Christentums ist, tauft er sein Gottes-Erlebnis auf den Namen Christus.

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