Erster Vortrag
Diese einschneidenden, bedeutsamen Dinge sind schon durchaus da. Gewiß, man macht sie sich nicht immer in der gehörigen Weise klar, aber gefühlt werden sie, und ich nehme an, daß in der Gegenwart, wo ja alles in den Gemütern der Menschen aufgerüttelt ist, sich insbesondere jungen Theologen zeigen muß, wie man mit diesen Dingen eben nicht fertig werden kann, wie man gewissermaßen heute Theologe sein kann, ohne von dem eigentlichen Wesen des Christus durchdrungen zu sein. Aus diesem Erlebnis heraus ist ja auch solch ein Buch wie das von Overbeck über die Christlichkeit der heutigen Theologie entstanden, worin im Grunde die Antwort gegeben wird, daß die moderne Theologie nicht mehr christlich ist, weil man es nur zu tun hat mit einem allgemeinen Philosophieren über einen die Welt durchziehenden Gott, aber nicht im eigentlichen Sinn das Christus-Erlebnis der ganzen Behandlung der religiösen Probleme zugrundegelegt werden kann. Es wird der Behandlung der religiösen Probleme nur das Vater-Problem zugrundegelegt, nicht eigentlich das Christus-Erlebnis.
Cite:
GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p008 · edition original