{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p017","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, die katholische Kirche weiß ganz gut, was sie tut, indem sie die moderne Wissenschaft nicht in die Theologie eindringen läßt. Nicht als ob die katholische Kirche nicht die moderne Wissenschaft pflegte, die pflegt sie erst recht. Die größten Gelehrten kann man durchaus innerhalb der katholischen Theologenschaft finden. Ich erinnere nur an den Pater Secchi, einen großen Astrophysiker, ich erinnere an solche Menschen wie Wasmann, der ein bedeutender Zoologe ist, und an viele andere wäre zu erinnern, vor allen Dingen wäre zu erinnern an die außerordentlich bedeutsamen wissenschaftlichen Leistungen, weltlich-wissenschaftlichen Leistungen des Benediktinerordens und so weiter. Aber welche Rolle spielt die moderne Wissenschaftlichkeit innerhalb der katholischen Kirche? Die katholische Kirche will, daß die moderne Wissenschaftlichkeit gepflegt wird, daß in ihr wirkliche Koryphäen vorhanden sind. Aber man will diese moderne Wissenschaftlichkeit lediglich betäugen in bezug auf die äußere Sinneswelt, sie soll sich streng fernhalten von der Erfassung von irgend etwas Geistigem, sie soll gar nichts aussagen über dieses Geistige. Ihr ist geradezu verboten, über das Geistige etwas auszusagen; da haben sich die Wissenschaften nicht hineinzumischen, wenn über die Berechtigung des geistigen Lebens irgend etwas gesagt wird. So verweist der Katholizismus die Wissenschaft in ihre Grenzen, er weist sie hinaus aus alle dem, was Theologie ist. Daß sie, wie zum Beispiel im Modernismus, nach und nach doch hineingekommen ist, das hat ja der Katholizismus als etwas sehr Unzukömmliches empfunden; daher sein Kampf gegen den Modernismus. Die katholische Kirche weiß eben genau: In dem Augenblick, wo Wissenschaft in die Theologie eindringt, da liegen außerordentliche Gefahren vor, und man kann unmöglich mit wissenschaftlichen Forschungen in der Theologie zurechtkommen. — Es ist eigentlich im Grunde genommen etwas Trostloses, wenn man es in dieser Abstraktheit ausspricht: Theologie müssen wir doch haben, aber sie wird uns versengt, verbrannt von der modernen Wissenschaftlichkeit. - Woher kommt das? Das ist zunächst die große brennende Frage. Woher kommt das?","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-09-26","location":null,"word_count":310,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/anthroposophy_and_religious_life/p017","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/anthroposophy_and_religious_life/p017"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/anthroposophy_and_religious_life/p017","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}