Erster Vortrag

GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p019 ·1921-09-26 · original (original)
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Uroffenbarung! Man muß sich nämlich klar sein darüber, daß der Katholizismus nicht bloß die Offenbarung hat, von der man gewöhnlich spricht als der Offenbarung des Neuen Testamentes, und auch nicht nur die Offenbarung, von der man gewöhnlich als von der Offenbarung des Alten Testamentes spricht, sondern der Katholizismus — soweit er Theologie ist — spricht von einer Uroffenbarung. Und es wird diese Uroffenbarung zumeist so charakterisiert, daß gesagt wird: Dasjenige, was durch Christus offenbart worden ist, das ist den Menschen schon früher einmal offenbart worden; damals haben die Menschen diese Offenbarung in einem anderen, in einem kosmischen Weltenmilieu bekommen, und durch den Sündenfall ist diese Offenbarung verlorengegangen, aber eine Erbschaft dieser Uroffenbarung war noch vorhanden durch das Alte 'Testament und durch die heidnischen Lehren. — Das ist katholische Auffassung. Es war einmal, bevor der Mensch sündig geworden ist, an den Menschen eine Offenbarung ergangen; hätte sich der Mensch nicht in die Sünde geworfen, so wäre die ganze Erlösungstat des Christus-Jesus nicht nötig geworden. Aber die Uroffenbarung ist getrübt worden, indem der Mensch heruntergestiegen ist in die sündige Welt, und im Verlaufe der Zeit bis zu dem Mysterium von Golgatha hat der Mensch immer mehr und mehr das vergessen, was der Inhalt der Uroffenbarung war. Gewissermaßen im Anfange erglänzte der Inhalt dieser Uroffenbarung noch, dann aber, als die Generationen weiter- und weiterschritten, verdunkelte sich diese Uroffenbarung, und sie war völlig verdunkelt in der Zeit, als durch das Mysterium von Golgatha die neue Offenbarung kam. - So sieht das Christentum — wo Theologie gelehrt wird — heute noch in den alttestamentlichen Lehren und vor allen Dingen auch in den heidnischen Lehren eine korrumpierte Uroffenbarung. Der Katholizismus hat schon eine Einsicht in das, worüber ich ja oftmals in der Anthroposophie gesprochen habe: in die alten Mysterien. In meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» habe ich auf diese Dinge hingedeutet, aber, nicht wahr, nur soweit es eben geht, weil die Dinge ja der heutigen Welt so unbekannt wie nur möglich sind und die meisten Menschen auf diese Dinge gar nicht vorbereitet sind. Aber hier können wir genauer darüber sprechen, namentlich über einen Punkt.

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