Erster Vortrag
Es gab überall in den heidnisch-religiösen Mysterien gewisse Erfahrungen, durch welche die Leute mehr erfuhren, als eben äußerlich, exoterisch, der großen Menge mitgeteilt werden konnte. Dieses Erfahren aber geschah nicht durch Unterweisung, sondern es geschah durch Askesis, durch Übung, es geschah, indem der Mensch gewisse Erlebnisse durchmachte; er erlebte eine Art Dramatik mit einem Höhepunkt, mit einer Katharsis, bis er hinkam zu einem Erleben des Aufleuchtens der göttlichen Weltgesetze. Dies ist einfach eine Tatsache, und es gibt schon innerhalb des esoterischen Katholizismus ein Bewußtsein davon, daß so etwas wie diese Mysterien vorhanden war. Aber man sagt eben, die moderne Zeit ist von weltlicher Wissenschaft erfüllt, und diese weltliche Wissenschaft hat in die Theologie nicht hineinzureden; daher bewahren wir lieber unser Wissen von den Mysterien, damit nicht die weltliche Wissenschaft herankommt und diese Mysterien erklärt. Denn das Erklären der Mysterien würde unter allen Umständen eine große Gefahr sein. Der Katholizismus fürchtet sich davor, die Wissenschaft herankommen zu lassen an dasjenige, was man über solche Dinge wissen kann.
Cite:
GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p020 · edition original