Erster Vortrag

GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p022 ·1921-09-26 · original (original)
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Ich schildere Ihnen diese Dinge, und wir werden sie natürlich später in bezug auf unser heutiges Bewußtsein zu betrachten Kaben. Theologie war [in der alten Zeit] eine Gabe Gottes, die nur erlangt werden konnte durch solche Übungen, die den Menschen aus der Welt der Sinne heraushoben, ihn wieder zurückbrachten wenigstens bis zu dem Erleben im mütterlichen Leibe, und ihn dadurch fähig machten, dasjenige [Wissen] wiederum aufzunehmen, das noch unkorrumpiert war. Aber das kann man nicht so aufnehmen, daß man es [in der Form] moderner logischer Begriffe bekommt. In den Mysterien bekamen die Leute nicht logische Begriffe im modernen Sinn, sondern sie bekamen Bilder. Alles Wissen, das auf diese Weise errungen wird, wird in Bildern, in Anschauungen errungen. Je mehr man nämlich in die wirkliche Welt des Daseins hineintaucht — nicht bloß «herumgeht» im Dasein —, je mehr man drinnenlebt im Dasein, so wie man auch im mütterlichen Leibe im Dasein drinnenlebt, desto mehr hört das Bewußtsein auf, in logisch abstrakten Begriffen zu leben, desto mehr lebt es in Bildern. Daher war dasjenige, was «Theologie» bei den Alten war, die Theologie der vorchristlichen Zeit, bildhafte Wissenschaft, Wissenschaft, die in Bildern lebte. Und deshalb darf ich sagen: Diese Theologie war durchaus einer solchen Ausdrucksform ähnlich, wie sie in den Evangelien lebt. Denn in den Evangelien finden wir eben auch Bilder, und je weiter wir zurückgehen, desto mehr finden wir, daß in den Evangelien noch gesprochen wird in der Haltung der alten Theologie; da ist durchaus nicht eine Differenzierung vorhanden zwischen Religion und Theologie, da ist die Theologie selbst etwas, was man von Gott empfängt, da sieht man in der Theologie hinauf zu Gott, da sieht man, wie einem die Theologie gegeben ist durch einen Verkehr mit Gott. Da ist es etwas Lebendiges, Theologie zu haben. Dann ist das gekommen, daß die Theologie [anders] erlebt wurde, etwa wie die Zustände, in die man sich hineinlebt, indem man älter wird. Damals also, in alten Zeiten, nährte sich die Theologie aus dem religiösen Erleben. Und diese besondere Art des Sich-Hineinlebens in die Welt [des religiösen Erlebens], sie ging eigentlich für die Menschheit äußerlich verloren in derselben Zeit, in der das Mysterium von Golgatha sich vollzogen hat.

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