{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, wenn Sie nach dem Orient blicken, mit dem ja durchaus die Quellen unseres religiösen Lebens in historischer Beziehung zusammenhängen, haben Sie, sagen wir, das indische religiöse Leben. Woraus nährt sich denn dieses indische religiöse Leben? Es nährt sich aus der Naturwahrnehmung, aber die Naturwahrnehmung war für die Inder eben ganz etwas anderes, als sie es für den modernen Menschen ist. Diese Naturwahrnehmung war für den Inder durchaus so, daß man sagen kann: Er nahm, indem er die Natur beobachtete, geistig wahr, aber er nahm nur solches geistig wahr, das unterhalb der eigentlichen Wesenheit des Menschen lag. Er nahm geistig wahr die mineralische Welt, die pflanzliche Welt, die tierische Welt, er war sich sogar einer göttlich-geistigen Grundlage dieser Welt bewußt; aber wollte er zu dem Menschlichen selbst kommen, dann enthüllte sich ihm das nicht in seiner Welt. Da, indem er das eigentliche Wesen des Menschen heraufbringen wollte in die Welt, die er hatte, da ergab sich ihm nichts: Nirwana, Eintritt ins Nichts gegenüber dem, was [in bezug auf den Menschen] wahrgenommen werden konnte. Daher diese Inbrunst [des indischen religiösen Lebens], das durchaus noch in dem Zeitalter lag, wo Theologie, Religion und Wissenschaft eins waren, für das Nirwana. Wir haben da eine Flucht aus dem, was aus der Naturgrundlage mit dem alten Bilderbewußtsein wahrgenommen wird, eine Flucht in das Nirwana hinein, wo alles verweht, was den Sinnen gegeben ist. Dieses Sichhingebenwollen an das Nirwana muß man ganz religiös [nach-Jempfinden, um eine der möglichen Formen zu haben für die religiösen Empfindungsströme der Menschen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-09-26","location":null,"word_count":252,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/anthroposophy_and_religious_life/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/anthroposophy_and_religious_life/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/anthroposophy_and_religious_life/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}