Erster Vortrag
Es ist ungeheuer bedeutsam, meine lieben Freunde, wahrzunehmen, wie auf der einen Seite der alte Inder herausstrebt aus dem, was er sieht, weil er, wenn er nach dem Menschen strebt, ich möchte sagen, in die Bewußtlosigkeit fällt, in das Nirwana, während der Urperser stehenbleibt in dem, was er sieht. Das Göttliche, das der mineralischen, der pflanzlichen, der tierischen Welt zugrundeliegt, wird von dem Urperser ergriffen, nach dem geht sein religiöses Streben, aber nun überfällt ihn die Angst, er könnte gedrängt werden, den Menschen zu suchen, und das würde ihn zu einer abstrakten Gedankenauffassung desjenigen geführt haben, was er da in Bildern wahrnahm. So ist eigentlich die Grundempfindung dieser vorderasiatischen Völker bis herüber nach Afrika. Sie sehen auf dem Grund der Natur eine geistige Welt; sie sehen den Menschen nicht, aber sie haben auch Angst, den Menschen zu sehen, denn sie fühlen, sie kommen da in eine abstrakte Region hinein, in die Region, in die später die Römer hineingekommen sind mit ihrer Religion. Wir haben vor der römischen Zeit, im zweiten, dritten Jahrtausend, überall das Bestreben, das Hineinkommen in die Abstraktheit zu vermeiden, dafür aber das Bestreben, dasjenige zu erfassen, was sich in Bildern ergibt. Und man sucht eben, dasjenige, was man in Bildern erfaßt, selber in Bildern auszudrücken, man sucht, die Beziehung zum Göttlichen, das man erschaut, nicht durch abstrakte Begriffe, sondern in Bildhandlungen zu finden; das ist der Ursprung des Kultus. Auf diesem religiösen Gebiet, auf das ich hindeute, da ist der Ursprung des Kultus.
Cite:
GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p025 · edition original