Erster Vortrag
Und nun stellen Sie sich in diese ganze Entwickelung das alte hebräische Volk hinein, das Judentum, das vermöge seiner Volksentwickelung den Drang stark verspürt, den Menschen nun hineinzustellen in dasjenige, was man im Bewußtsein hat. Ich will heute nur andeutend sprechen, damit wir uns orientieren. Der Angehörige des hebräischen Volkes wollte vor allen Dingen den Gott, der der menschlichen Natur zugrundeliegt, erfühlen. Der Inder hat nur den Gott oder die Götter gefühlt, die der untermenschlichen Natur zugrundeliegen, und als er heraufgedrungen ist mit seinem Bewußtsein zum Menschlichen, da wollte er aufgehen im Nirwana. Die anderen, die persischen, chaldäischen, ägyptischen Völker suchten die Verbindung mit der Gottheit im Bilde und vermieden es infolge ihrer Charakteranlage, bis zum Menschen heraufzudringen. Und so können wir sehen, wie im Judentum dieser Drang, das Göttliche mit dem Menschlichen zusammenzubringen, das Göttliche mit dem Menschen in ein Verhältnis zu bringen, [dazu führt,] daß das Göttliche zu gleicher Zeit als die Grundlage des Menschlichen selbst erscheint. Dazu war keine Veranlagung da im Indischen, da segelte man hinein ins Nirwana; man hatte keine Vorstellungen mehr, wenn man [zum Bewußtsein] des Menschlichen kommen wollte. Es mußte [im Indischen] vermieden werden dieser Eigenweg der menschlichen Seele. Dieser Eigenweg der menschlichen Seele hat eben dazu geführt, gewissermaßen aus dem Dasein heraus ins Nichtdasein hineinzugleiten. Der andere, der persische Weg, ist bei Bildern stehengeblieben, er ist beim bloßen Kultus stehengeblieben.
Cite:
GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p026 · edition original