Erster Vortrag
Wir sehen das jüdische Volk gewissermaßen mitten in diesen Bestrebungen drinnen seine besondere Eigenart entwickeln, und da ergab sich zunächst die Unmöglichkeit, aus dem Eigenleben heraus zum Gott zu kommen. Man mußte abwarten, was der Gott selber gab, und es entstand da der eigentliche Offenbarungsbegriff. Man mußte abwarten, was der Gott gab, und auf der anderen Seite wollte man sich hüten, den Bilderweg zu suchen, den man fürchtete, Wenn man den Bilderweg sucht, kommt man zu einem untermenschlichen Gott, nicht zu dem das Menschliche tragenden Gott. Der Bilderweg sollte nicht gesucht werden [im Judentum, und] nicht durch Kultushandlungen wollte man mit dem Gotte sprechen, aber auch nicht durch Erkenntnisinhalt. Der alte Jude wollte den Gott so erkunden, daß der Gott sich offenbaren sollte, und der Mensch sollte menschlich mit dem Gott verkehren, indem er seinerseits nun nicht Opferhandlungen in Anschlag brachte, die sich im Äußeren vollzogen, sondern etwas, was nur aus der Subjektivität hervorgeht: das Versprechen — Offenbaren, Versprechen, und der Vertrag zwischen beiden, ein juristisches Verhältnis, möchte man sagen, zwischen dem Menschen und seinem Gott.
Cite:
GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p027 · edition original