Erster Vortrag

GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p030 ·1921-09-26 · original (original)
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Meine lieben Freunde, es gibt keine geistigere Lehre im Grunde genommen als den modernen Materialismus. Das scheint ein sonderbares Paradoxon zu sein, und doch ist es so. Dasjenige, was der moderne materialistische Denker in seinem Kopf trägt, das ist ganz vergeistigt, so vergeistigt, daß es überhaupt abstrakt ist, daß es gar keinen Bezug mehr hat zur Wirklichkeit. Das ist ausgelebtes Römertum. Wir sind eigentlich ungeheuer geistige Menschen geworden im Laufe des 19. Jahrhunderts, aber wir verleugnen diese Geistigkeit, indem wir behaupten, durch diese Geistigkeit nur die Materie begreifen zu können. Wir haben in Wirklichkeit in der Seele einen ganz durchgeistigten Inhalt, bis zur Idee vergeistigt, aber wir behaupten, daß wir durch all das nur eine materielle Welt begreifen können. So hat der Mensch sein Ich durch diese Vergeistigung ergriffen, das Selbstbewußtsein ist so stark geworden, aber er hat sich [dadurch] von der Welt getrennt. Heute muß er wiederum den Zusammenhang mit der Welt suchen, er muß ihn suchen in der Erkenntnis, er muß die Möglichkeit haben, nicht nur eine «Erkenntnis ohne objektive Bedeutung» zu haben, sondern eine Erkenntnis mit objektiver Bedeutung, so daß er im Erkennen erleben kann das Sein der Welt, und auf der anderen Seite muß er das haben, was dem Innern des Menschen verbürgt das Objektive.

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