Erster Vortrag

GA 343/anthroposophy_and_religious_life/p031 ·1921-09-26 · original (original)
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Sehen Sie, die Griechen haben gegenüber der orientalischen Welt einen großen Vorsprung gehabt, sie haben gewissermaßen das Innere zusammennehmen können. Sie haben aus diesem Innern heraus zu einem Inhalt kommen können, aber der Inhalt befestigte sich erst bis zum Phantasievollen. Aber etwas haben die Griechen nicht gekonnt. Sie haben zwar die Entwickelung der Menschheit zur Verinnerlichung gebracht, aber nicht bis zu der Befestigung im Inneren. Die Verinnerlichung, die Verhärtung ist im Römertum und in alle dem, was dann gekommen ist, noch weitergegangen, und man müßte verstehen lernen — wir sind heute noch in der Notwendigkeit dieses Verstehenlernens darin —, wie man nun im Innern dasjenige befestigt, was dieses Innere seinsdurchdrungen macht. Der Grieche konnte Götter denken in grandiosen Phantasiebildern, aber was der Grieche nicht konnte: er konnte nicht beten. Das ist das Wichtige: der Grieche konnte nicht beten. Das Gebet ist eigentlich erst später gekommen; und für das Gebet muß gesucht werden die Möglichkeit, in ihm Realitäten zu erfassen. Dazu muß angeknüpft werden an diejenigen Zeiten, in denen das Gebet nicht bloß gesprochen, nicht bloß gedacht oder nicht bloß gefühlt worden ist, sondern in denen das Gebet eins war mit der Opferhandlung. Und wiederum weiß der Katholizismus sehr gut, warum er sich vom Kultus, von der Opferhandlung, von der zentralen Opferhandlung, von dem Meßopfer nicht trennt. Nun, über diese Dinge werden wir dann weiter verhandeln.

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