Zehnter Vortrag

GA 343/composition_of_the_gospels/p032 ·1921-10-01 · original (original)
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Weil man in diesen Zusammenhang nicht hineinsieht, haben wir die heutige vertrackte physiologische Grundlegung der Erkenntnistheorie. Alle Erkenntnistheorien, oder wenigstens sehr viele, gehen aus von einer physiologischen Grundlegung des Wahrnehmungsaktes, den sie für alle Sinne gleich beschreiben; sie haben aber eigentlich gar nichts im Sinn als den Sehakt. Was Sie da in den physiologischen Grundlegungen finden, das paßt eigentlich nur auf den Sehakt und ist deshalb undeutlich, weil die Leute nicht sehen, daß da etwas Verkümmertes darin ist. Man kann schon sagen, diese physiologischen Anschauungen, die da in bezug auf die Sinnesphysiologie herrschen, sind das Schauderhafteste, was heute das Menschengemüt bedrücken kann; man wird da immer belästigt mit Dingen, die über die Sinne im allgemeinen gesagt werden, während jeder Sinn konkret für sich behandelt werden müßte. Es ist in vielfacher Beziehung so, daß eine Sinneseinheitslehre zugrundegelegt wird.

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