Vierzehnter Vortrag

GA 343/gnostics_and_montanists/p013 ·1921-10-03 · original (original)
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In allen diesen Dingen sehen Sie dezidiert dasjenige, was in der Gnosis lebte. Sehen wir jetzt nach der anderen Seite hinüber, die am stärksten bei Montanus, schwächer schon, aber doch noch deutlich, bei Tertullian zum Ausdruck gekommen ist; sehen wir hinüber zu denjenigen, welche sich gesagt haben: Wenn wir hinaufkommen wollen zur Gnosis, da entschwindet ja alles; wir können nicht durch die äußere Welt, nicht durch die Betrachtung des Jahres, nicht durch das Lesen in den Sternen zu dem Göttlichen aufrücken, wir müssen in den Menschen untertauchen, wir müssen in den Menschen hinein. — Wie die Gnosis den Blick hinauslenkt in den Makrokosmos, so taucht der Montanismus unter in den Mikrokosmos, in den Menschen selber. Intellektualistische Begriffe waren [damals] erst im Anzug, die konnte er noch nicht völlig hervorbringen; 'Theologie im heutigen Sinn ergab sich auf diesem Wege nicht. Was sich aber ergab durch alle die Übungen, die insbesondere Montanus seinen Schülern vorschrieb, das waren innere Gesichte, das war dasjenige, was im Innern des Menschen auflebt in atavistischen Visionen. Diese atavistischen Visionen waren insbesondere bei den Montanisten heimisch. Man ließ alle diejenigen üben, die sich absondern sollten von dem Zugehören zur bloßen Seelsorge unter den Montanisten, man ließ diese alle soweit üben, daß sie sich die Frage beantworten konnten: Wie hängt das Geistig-Seelische im Menschen, im Mikrokosmos, zusammen mit dem Leiblich-Physischen?

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