{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/gnostics_and_montanists/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Für ältere Zeiten, die lange vorangingen dem Mysterium von Golgatha, war das, wie ich schon gesagt habe, etwas Selbstverständliches, es ergab sich eine selbstverständliche Antwort. Für diejenigen, die im Zeitalter des Mysteriums von Golgatha lebten, ergab sich eine solche selbstverständliche Antwort nicht. Man mußte erst untertauchen in die Leiblichkeit. Weil man aber fürchtete, in diese Leiblichkeit den Intellektualismus mitzunehmen, begab man sich in die Leiblichkeit hinunter mit der Kraft der Imagination, und es bildete sich dasjenige aus, was wir in den allerdings auch verschwundenen Beschreibungen der Visionen der Montanisten kennenlernen. In diesen Beschreibungen der Visionen der Montanisten finden wir — und das ist für sie charakteristisch —, wir finden immer wiederum die Vorstellung von dem baldig im physischen Erdenleibe wiederkommenden Christus. Der Montanismus ist nicht zu denken ohne die prophetische Empfindung des bald im Erdenleibe wiederkommenden Christus. Weil der Montanist seine Vorstellungen gewöhnt hat an das, was er im kommenden Christus findet, stellt sich vor seine Seele nun stark dasjenige hin, was am Kreuze geschieht und dasjenige, was sich nach dem Kreuzestode erfüllt, was ins Sterben hineingeht, was zur Auferstehung hingeht. Das Wiederherunterkommen des Christus, das Wiederuntertauchen in das leiblichphysische Leben, das nimmt in der Anschauung [der Montanisten] durchaus von materialistischen Empfindungen tingierte Formen an; in dem zeitlich und räumlich erfüllten Sein des wiederkommenden Christus lebt man. Man sprach das aus, und gläubig innerhalb dieser Schule waren nur diejenigen, welche eingingen auf diesen Glauben an das baldige physische Herannahen des Christus Jesus auf die Erde, wo er so wandeln wird, daß er eben im physischen Leibe wandelt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-10-03","location":null,"word_count":257,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/gnostics_and_montanists/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/gnostics_and_montanists/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/gnostics_and_montanists/p014"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}