Vierzehnter Vortrag
Das müssen wir nur aus der Geschichte herauskommen lassen, denn das Wichtigste spielt sich nicht so ab, daß wir es beherrschen können, indem wir die Dokumente in die Hand nehmen, die in Archiven liegen oder indem wir auf die ganze Geschichte dieser vier damaligen Männer von außen hinschauen — das ist äußere Geschichtsauffassung. Der wichtigste Teil der Geschichte spielt sich ab in den menschlichen Seelen, in den menschlichen Herzen. Wir müssen hineinschauen in die Seele des Basilides, in die Seele des Montanus, in die Seele des Faustus, in die Seele des Augustinus, wenn wir in dasjenige hineinblicken wollen, was sich eigentlich in jenen historischen Kämpfen abgespielt hat, die sich dann zu dem entwickelt haben, was eigentlich eine Zudeckung des Christentums wurde in der Konstantinischen Kirche. Die Konstantinische Kirche hat ein äußeres Leben von den weltlichen Reichen hergenommen, in denen nicht mehr das Geistige lebt, sie hat ihr Leben von dem hergenommen, was der Christus — im Sinne des 13. Kapitels des Markus-Evangeliums — bezeichnet als die bereits entgötterte Erde, als die untergegangene Erde, in die das durch ihn gebrachte göttliche Reich sich erst wiederum hineinleben muß in seiner wirklichen geistigseelischen Gestalt.
Cite:
GA 343/gnostics_and_montanists/p016 · edition original