Vierzehnter Vortrag

GA 343/gnostics_and_montanists/p019 ·1921-10-03 · original (original)
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Und dann finden wir, meine lieben Freunde, wie das Christentum untertaucht in dasjenige, was das Römertum war, in dem der Christus empfunden hat — wie ich Ihnen auseinandergesetzt habe — die untergehende Welt. Diejenigen, die den Christus heute noch verstehen, werden fühlen müssen, der Untergang ist in alle dem enthalten, was die Kräfte des Römertums enthält. Indem wir die Kräfte des Römertums fortkonserviert haben, indem in die Völker sich eingelebt hat der Romanismus — die römische Schriftsprache, die lateinische Sprache hat ja lange gewirkt —, indem wir konserviert haben das römische Gesetz, indem wir konserviert haben die äußeren Formen des römischen Staatstums, indem sogar in den nördlichen Gegenden ausgetilgt worden ist, was aus elementarem germanischen Fühlen als ganz andere soziale Gemeinschaft empfunden wurde, indem das römische Staatstum alles Nördliche überflügelt hat, lebt bis in unsere Tage hinein das Römertum als die untergehende Welt, in der das Christentum, so wie es gedacht war in der Umgebung des Christus Jesus selber, nicht mehr eine Stätte gefunden hat. Denn das konstantinische Christentum, das dann in der Krönung Konstantins des Großen in Rom ein so bedeutsames Symbolum gefunden hat, dieses Christentum ist dasjenige, das sich eingelebt hat in die äußere Weltlichkeit, in die römische Gesetzmäßigkeit. Schon bei Augustinus, indem er so empfand, wie ich es gestern und heute charakterisiert habe, entstand die Seelenempfindung: ©, was wird es dann sein, wenn nun dasjenige die ganze Welt ergreift, was aus dem entgöttlichten Intellektualismus, aus dem entgöttlichten Römertum, in die Welt hineinströmt? Die Civitas wird eine furchtbare werden; dieser Civitas der Menschen muß entgegengestellt werden die Civitas Dei, der Gottesstaat. - Und so sehen wir auftauchen — vorher waren die Anzeichen schon da, meine lieben Freunde -, so sehen wir auftauchen ein Interesse, das gerade von den folgenden Zeiten auf religiösem Gebiete mit voller Macht ergriffen wurde, und das ein Licht wirft auf alle späteren religiösen Kämpfe in den Seelen, die gerade diese religiösen Kämpfe am tiefsten erfühlt haben. Es taucht bereits bei Augustinus die Frage auf: Wie retten wir das Moralische gegenüber dem äußerlichen Gesetzeshaften? Wie retten wir die Moral, die gottdurchtränkte Moral, wie retten wir sie? Im Römertum kann sie sich nicht ausbreiten. — Das ist das Streben nach Verinnerlichung, das wir in den Bekenntnissen, den Konfessionen des Augustnus finden, wenn wir sie richtig durchdringen.

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