{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/gnostics_and_montanists/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und sehen Sie sich dann alles dasjenige an, was über die damalige zivilisierte Welt wie in Programmen zunächst erscheint in solchen Leuten wie Johannes Valentin Andreä, Comenius, was in den böhmischen Brüdern lebt, dann werden Sie verstehen, wie in den späteren Jahrhunderten aus den Kreuzzügen heraus das Streben nach Verinnerlichung gegangen ist. Ich muß sagen, am meisten schien es mir immer an einer einzelnen Stelle symptomatisch abgebildet, wenn ich hingeschaut habe auf diesen einsamen Denker, der in Böhmen lebte und ein Zeitgenosse von Leibniz war, Franziskus Josephus von Hoditz und Wolframitz. Er hat zum ersten Male mit aller Klarheit — das weiß man nur heute nicht — abgeschält das Moralische von dem Juristischen. Überall in der früheren Schriftstellerei war in ganz römischem Geiste das Juristische mit dem Moralischen verbunden. Das, was auf religiöse Art in allen den Leuten lebte, das lebte sich in philosophischer Art in diesem Zeitgenossen des Leibniz aus. Er will philosophisch das Moralische rein hinstellen. Und wie Luther sich die innere Rechtfertigung verschaffen wollte, weil in seiner Zeit es nicht mehr möglich war, die Rechtfertigung durch die äußere Welt zu finden, so sah Franziskus Josephus von Hoditz und Wolframitz als einsamer Denker die Aufgabe: Wie rette ich rein begrifflich das Moralische heraus aus der Umzingelung und Umspannung [durch das Juristische] mit jenen armen philosophischen Begriffen, wie rette ich das rein Menschlich-Moralische? — Die Frage vertieft sich ihm nicht religiös, die Frage wird nicht einseitig intellektualistisch gestellt bei Hoditz-Wolframitz. Aber gerade dadurch, daß sie philosophisch gestellt wird, merkt man, wie er philosophisch ringt nach einer reinen Herausgestaltung des im Bewußtsein lebenden moralisch-substantiellen Inhaltes.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-10-03","location":null,"word_count":265,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/gnostics_and_montanists/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/gnostics_and_montanists/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/gnostics_and_montanists/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}