{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/insights_into_the_mystery_of_golgotha/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und nun, unter den Impulsen einer solchen Anschauung, ich möchte sagen, eines hinter dem Menschen-Geschehen wirksamen außermenschlichen Geschehens anderer Wesen, die mit der Menschenentwickelung aber auch etwas zu tun haben, konnte dann das entstehen, was des Augustinus Lehre von der Vorherbestimmung ist. Augustinus sah in dem Hingestelltsein des Menschen in die Welt noch vielfach etwas, was man nur so ausdrücken kann, daß man sagt: Der Mensch ist eigentlich dasjenige, in dem sich auswirkt der Kampf übermenschlicher Wesenheiten. Daher hat noch nicht das Einzelleben des Menschen den absoluten Wert, den es später bekam nach der Mitte des 15. Jahrhunderts. Für Augustinus war die Lehre von einer, ich möchte sagen, über den Menschenwillen hinweggehenden Entwickelung, die vollzogen wurde durch die Schicksale übermenschlicher Wesenheiten, etwas, was durchaus möglich war zu denken. Nur so konnte die Lehre in ihm lebendig sein, daß ein Teil der Menschen, zwar nicht zur Sünde, aber zum Untergang bestimmt sei und ein anderer Teil der Menschen zur Seligkeit, eine Lehre, die aber gewöhnlich nicht vorgestellt wird in ihrer ganzen Bedeutung, wenn sie erlebt werden soll. Man kann sie eben heute als Mensch nicht mehr erleben in der Ergebenheit, mit der sie ja noch ein Augustinus erleben konnte. In diese Seelenverfassung spielt also das hinein, was man die Erbsünde nennen kann, die ihren Ausgleich findet durch das Mysterium von Golgatha. Man drückte sich zu Luthers Zeiten noch so aus, aber man lebte in einer anderen Zeit der Seelenverfassung [als Augustinus]. Man konnte das nicht mehr verstehen, man konnte sich nicht hineinfinden. Es war ganz ausgeschlossen, sich mit voller Seele in diese Vorstellungen hineinzufinden. So etwa erlebte Luther als Augustinermönch dasjenige, was in seine Seele hereingeleuchtet hat.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-10-01","location":null,"word_count":276,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/insights_into_the_mystery_of_golgotha/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/insights_into_the_mystery_of_golgotha/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/insights_into_the_mystery_of_golgotha/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}