Fünfzehnter Vortrag

GA 343/ordination_and_transubstantiation/p008 ·1921-10-03 · original (original)
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Nun ist aber tatsächlich dieses andere Bewußtsein etwas, was eine ganz andere Welt gibt, als diejenige ist, die sich vor den Sinnen ausbreitet und die mit dem Verstand erfaßt wird, die jeden Augenblick zurückführt zu der Wesenheit des menschlichen Ichs, zum Halten an das menschliche Ich. Das menschliche Ich ist in dem anderen Bewußtsein zunächst in einer größeren Stärke vorhanden, man hat es da nicht bloß als etwas, das alle einzelnen Vorstellungen und Gefühle durchsetzt, sondern man hat es als ein Bild. Man hat die Möglichkeit es anzuschauen, man weiß, dieses Ich ist etwas, in dem man nicht bloß lebt, sondern es ist als eine Objektivität vorhanden. Das Andere dieses höheren Bewußtseins ist das, daß man keine Anschauung erlangt von dem, was das mineralische Reich ist — das mineralische Reich gehört nur dem gewöhnlichen menschlichen Tagesbewußtsein an —, dagegen ändert sich völlig die Anschauung des Pflanzlichen, des Tierischen und des Menschlichen selbst. Man lebt also tatsächlich in einer anderen Welt. Man nennt dasjenige, was zwischen diesen beiden Welten ist, die Schwelle, die überschritten werden muß und die überschritten werden darf, nachdem man dazu vorbereitet ist, und die Vorbereitung schafft man sich wirklich in dem getreulichen Üben dessen, was ich angeführt habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Denn wenn man nicht richtig vorbereitet wäre dazu, so könnte dasjenige, was man sich da als ein neues Bewußtsein erwirbt, herunterrutschen in die Körperlichkeit. (Während der folgenden Ausführungen wird an die Tafel gezeichnet, Mitte.) Ich will das so zeichnen: Nehmen wir an, das wäre das Tagesbewußtsein, das ja gebunden ist an die menschliche Leiblichkeit. Dieses höhere Bewußtsein ist nun herausgehoben, man sieht eine völlig neue Welt. Nun aber muß man ja dieses höhere Bewußtsein erhalten, es muß etwas rein Geistig-Seelisches sein. Es könnte aber passieren, wenn man nicht vorher die Kraft sich durch Üben erworben hat — es passiert nicht, wenn es lebendig vollzogen wird; was ich sage, ist mehr eine Hypothese -, also wenn man die Kraft nicht durch Übung erworben hat, daß das ganze herunterrutscht in die Körperlichkeit. Dann würde man nicht im freien geistig-seelischen Bewußtsein leben, sondern es würden sich die Prozesse in den menschlichen Organen an dem beteiligen, was dieses Bewußtsein schaut; dann hätte man es mit Träumen zu tun, man hätte es nicht zu tun mit einem wirklichen objektiven inhaltsvollen Imaginieren. Das objektive inhaltsvolle Imaginieren entsteht ja dadurch, daß dasjenige, was man erlebt, nicht imprägniert ist von den Vorgängen des eigenen Körpers, sondern von den Vorgängen der übersinnlichen Welt. Das muß durch Übung errungen werden, und das muß man errungen haben, damit man jene Grenze zwischen dem Sinnlichen und dem Übersinnlichen überschreiten kann, die als die Schwelle bezeichnet wird. Nun, das ist heute so. Heute haben wir im gewöhnlichen Bewußtsein den Inhalt, den ja jeder kennt, und wir haben dann einen anderen Inhalt - der natürlich beschrieben werden kann, so wie ich es jetzt wiederum von gewissen Gesichtspunkten aus getan habe —, der durchaus als der Inhalt einer höheren Welt zu bezeichnen ist gegenüber der gewöhnlichen Welt. Gehen wir aber zurück zu den Zeiten der menschlichen Erdenentwickelung, von denen ich hier sprechen will, in der die Auserwählten eingeweiht wurden, dann haben wir auch bei ihnen das Aufsuchen eines anderen Bewußtseinszustandes, aber er ist anders [als heute], insofern der Bewußtseinszustand, den wir heute einfach als den normalen menschlichen Bewußtseinszustand bezeichnen, bei jenen Mysterienschülern der außerordentliche war, und ein gewisses bildhaftes Vorstellen, ein Schauen des Göttlichen in allen einzelnen Dingen, das war das Normale. Also was damals für die alten Mysterien als die Schwelle zu bezeichnen ist, lag für die damaligen Zeiten eigentlich ganz woanders, als die Schwelle heute für uns liegt. Wir können das selbst an äußeren Dingen bemerken.

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