{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/ordination_and_transubstantiation/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Sehen Sie, wir haben heute etwas, was schon das Kind in der Schule lernt, das ist das heliozentrische Weltsystem. Das heliozentrische Weltsystem — Sie können das historisch überliefert finden — ist eigentlich durch eine Art Verrat in die Literatur übergegangen. Das heliozentrische Weltsystem war schon vorhanden in Griechenland, es war schon viel früher deutlich vorhanden, es wurde in den Mysterien gelehrt. Was heute das gewöhnliche Schulkind lernt, was die Menschen als Weltanschauung über die Welt bekommen, das wurde in älteren Zeiten nur in den Mysterien gelehrt. Im äußeren normalen Bewußtsein hatten die [damaligen] Menschen ein Bilderbewußtsein. Wir können wirklich sagen: Gegenüber den Alten lebt heute jeder Mensch, der den Schulunterricht durchgemacht hat, jenseits der Schwelle. Das hat man [aber] gerade in den alten Mysterien als ganz besonders gefahrvoll für den Menschen betrachtet, wenn er [nicht durch reguläre Einweihung, sondern] durch irgendein Elementarereignis über die Schwelle geführt wurde und zum Beispiel nicht an dem geozentrischen Weltsystem — also daran, daß der Boden stillesteht und die Sterne und die Sonne sich bewegen - festhielt, sondern an dem Stillestehen der Sonne, wie die eingeweihten Schüler der alten Zeiten es getan haben. Man sagte, dazu muß man vorbereitet sein, um das zu ertragen, was zum Beispiel im heliozentrischen Weltsystem oder was zum Beispiel in unserer heutigen Biologie und Physiologie und so weiter liegt. Das erscheint einem heutigen Menschen paradox, war aber doch so. Man kann sagen: Geschichtlich hat die Menschheit als solche in der Zeit des Mysteriums von Golgatha die Schwelle für dasjenige überschritten, was ehemals in den Mysterien der älteren Epochen künstlich überschritten werden mußte, um zur Einweihung zu kommen. Damals hat der [Einzuweihende] das gelernt, was heute bei uns jedes Kind lernt. Wir lernen ja [heute] wiederum als Einsicht in die höhere Welt dasjenige erkennen, was später das Normale werden wird. So ist es mit dem Fortgang der Menschheit. Und das wird verkannt, weil zum Beispiel gewisse ältere Schriften von einem Gesichtspunkt aus reden, der dadurch gegeben ist, daß das Bewußtsein der Menschen ein bildhaftes war, so war, daß man eben nicht die äußeren Dinge sah, sondern durch die Dinge hindurch das im Innern liegende Geistige. Man muß wissen, daß man die Worte dieser älteren Schriften anders zu lesen hat, als sie die heutigen Altsprachenforscher oder Kulturgeschichtler oder Anthropologen und dergleichen lesen, [weil das Bewußtsein ein bildhaftes war]. Wir können also sagen, in älteren Zeiten wurde der Einzuweihende dazu geführt, die Welt kennenzulernen, die wir kennen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-10-03","location":null,"word_count":404,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/ordination_and_transubstantiation/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/ordination_and_transubstantiation/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/ordination_and_transubstantiation/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}