Fünfzehnter Vortrag
Sehen Sie, Sie werden einen Begriff bekommen von dem, was da eigentlich seelisch zugrundelag, wenn ich Ihnen sage: Fühlen Sie einmal den Unterschied zwischen dem, was Sie empfinden, wenn Sie Ihre Hand an einen äußeren Gegenstand legen, und dem, was Sie empfinden, wenn Sie Ihre Hand an Ihre eigene Hand oder an irgendeinen anderen Körperteil legen. Den Unterschied muß man fühlen; man muß daraufkommen, daß dieser Unterschied da ist. Und dann muß man noch etwas anderes fühlen können, man muß fühlen können, man hat zwei Augen mit Blickrichtungen, die sich treffen und sich kreuzen. (Es wird an die Tafel gezeichnet, rechts.) Diese sich kreuzenden Blickrichtungen, die dort, wo wir hinschauen, zusammentreffen —, das ist geradeso, wie wenn ich mit meinen beiden Armen mich selber anfasse. Denken Sie nur, worin der Unterschied des Menschen vom Tiere liegt. Das Tier hat in viel eingeschränkterem Maße die Möglichkeit, das zu erleben, was zum Beispiel wir erleben, wenn eine Hand die andere berührt. Oder sehen Sie sich die Augenstellung bestimmter Tiere an; Sie können genau unterscheiden, wie stark der Egoismus eines Tieres ist, aus der Augenstellung. Solche Tiere, die die Augenstellung so haben, daß sie die Augenachsen nicht kreuzen können, können gar keinen Egoismus entwickeln, denn die Empfindung, das Erleben des Ich beruht eben darauf, daß man das Ich «anfassen» kann, und daß der rechte Blick des Auges mit dem linken Blick des Auges sich kreuzen kann. Darauf beruht gerade das Erleben des Ich.
Cite:
GA 343/ordination_and_transubstantiation/p017 · edition original