Fünfzehnter Vortrag

GA 343/ordination_and_transubstantiation/p018 ·1921-10-03 · original (original)
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Nun, die Jünger wußten sich so verbunden mit dem Christus, daß sie gewissermaßen etwas Ähnliches fühlten wie beim Befühlen ihrer eigenen Hände, wenn sie ihre Hände gar in seine Wunden legten. Und so war dieser unmittelbare Zusammenhang [mit dem Christus] dasjenige, was ihnen das Bewußtsein gab, in einer höheren Welt mit ihm zusammenzuleben. Das war tatsächlich etwas, was die Jünger erfüllte, es war, wie wenn eine Geistesinsel sie und den Herrn umfaßt hätte, und wenn sie dann fühlten, der Herr ist hinweggegangen und sie sind nun die Lehrer geworden, berufen sie sich bei ihrem Lehramte auf dieses Mit-ihm-Zusammengewesensein. Und die Schüler der Apostel wiederum berufen sich durchaus auf das Bildhafte, das sie erlebt haben; man kann das sogar in den einzelnen Briefen lesen. Wenn irgendeiner der Apostelschüler, Polykarp von Smyrna zum Beispiel, beschreiben konnte, wie der oder jener ausgesehen hat, von dem er gelernt hat, so war das etwas ungeheuer viel wichtigeres als die Mitteilung des bloßen Wortes. Dasjenige also, was hervorrief das Sich-zusammengehörig-Fühlen mit dem, was noch mit dem Christus zusammenhing, das war das Wesentliche, so daß man sagen kann, die Apostel fühlten die Sukzession, aber sie konnten nicht mehr im Innern jene Umwandelungen fühlen, die bei den alten Einweihungen gefühlt wurden. Mißverstehen Sie mich nicht; ich behaupte nicht, daß die Apostel oder die Apostelschüler solche Erwägungen angestellt haben, aber ihre Seelenverfassung war so, daß sie solche Erwägungen hätten anstellen können, und es wird ihre Seelenverfassung charakterisiert, indem man solche Erwägungen formuliert. Wenn sie genötigt worden wären, ihre Seelenverfassung zu formulieren, würden sie gesagt haben: Ja, wir können nicht mehr in derselben Weise, wie das in den früheren Mysterien möglich war, das durchmachen, was zum Beispiel beim Übergange vom Licht in die Finsternis durchgemacht worden ist, wir können nicht mehr das durchmachen, wie man mit dem Öle gesalbt worden ist und so weiter, und wir können nicht mehr die Dinge durchmachen, die durch Hervorrufen von Schmerzen innerlich durchgemacht worden sind; aber da ist das Göttliche inkarniert, in der Gestalt des Jesus ist es dagewesen, mit dem haben wir zusammengehangen, und wenn wir das richtig ins Bewußtsein aufnehmen, wenn wir es nicht bloß intellektualistisch auffassen, sondern wenn wir es in aller Konkretheit erleben, dann ist das etwas, was uns in die übersinnliche Welt hinaufhebt.

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Cite: GA 343/ordination_and_transubstantiation/p018 · edition original