{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/ordination_and_transubstantiation/p025","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Der Katholizismus hat als römischer Katholizismus eigentlich immer konsequent zu handeln gewußt. Er hat gewissermaßen herausgestellt, herausgehoben aus der übrigen allgemeinen Menschheit diejenigen, die die geistlichen Nachkommen des Christus Jesus selber waren, und so entstand in ihm ein scharfes Bewußtsein der Trennung der Priester-Geistesgenerationen, also der in der Weihe zusammengehaltenen Menschen, von den anderen Menschen, die die Weihe nicht empfangen haben. Wie der Angehörige eines Adelsgeschlechtes, der sein Blut vielleicht bis zum 18. Ahnen hinaufleitet und alle diejenigen weiß, die dieses Blut in den Adern tragen, seinen Ahnenzusammenhang unterscheidet von dem der übrigen Menschheit, ebenso unterscheidet derjenige, der innerhalb der apostolischen Sukzession geweiht ist, bis zum Christus hinauf diejenigen, die kontinuierlich fortlaufend die Weihen empfangen haben, bis zu sich selbst herunter, [von den Nichtgeweihten]. Er fühlt sich in diesen Zusammenhang hineingestellt, er fühlt die anderen Menschen als etwas anderes; daher war es ganz notwendig in einem gewissen Zeitraum, daß bestimmte Dinge sich so vor die Menschen hingestellt haben. Der Mensch nimmt ja allmählich in sein Bewußtsein herauf, was früher mehr oder weniger unbewußt war und daher auch nicht in seine Handlungen hat einfließen können. Daher kam, als immer mehr und mehr scharf dieses Bewußtsein der Zusammengehörigkeit nach dem Christus hin entstand, schon durchaus mit heraus diese Notwendigkeit der äußeren Absonderung von den Nichtgeweihten: der Zölibat. Der Zölibat hat schon auch seine innere Begründung, und da, wo der Zölibat dogmatisiert worden ist, wurde er durchaus so empfunden, daß der Priester sich abscheiden muß von der Vereinigung mit allen anderen Menschen, daß er eine menschliche Persönlichkeit ist, bei der dasjenige wichtiger geworden ist, was in der heiligen Priesterweihe als Handlung vollzogen worden ist, als die bewußte Abstammung vom Vater seiner Ahnenreihe, und da er aus dieser Ahnenreihe des Blutes hineingestellt worden ist in eine geistige Ahnenreihe, darf er auch nicht zusammensein mit derjenigen Welt, aus der er durch die Weihezeremonie herausgenommen worden ist. In dem Moment, in dem man sich dieser besonderen Stellung des Priestertums gegenüber der Welt stark bewußt geworden ist, wurde die Notwendigkeit des Zölibates herbeigeführt, wobei natürlich durchaus nicht zu leugnen ist, daß man dabei in Wirklichkeit auch empfunden hat das politisch für Rom Nützliche und so weiter. Aber Sie können ganz sicher sein, daß in dem Zeitalter, in dem der Zölibat eingeführt worden ist — es war die Zeit, in der der Zölibat namentlich aus dem Mönchspriestertum hervorgegangen ist —, in den unbewußten Impulsen der Drang nach einer gewissen Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit war. Es war durchaus so, daß diese Einsetzung des Zölibates so verstanden worden ist, wie ich sie eben jetzt auseinandergesetzt habe. Geradeso wie im 19. Jahrhundert auf eine naturgemäße Weise — wie ich schon gesagt habe - in der konsequenten Fortsetzung desjenigen, was im katholischen Bewußtsein lebte, sich ergab das Dogma der Conceptio immaculata, und wie sich ergab das Infallibilitätsdogma, so ergab sich in einer bestimmten Zeit die Konsequenz des Zölibates.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Fünfzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-10-03","location":null,"word_count":475,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/ordination_and_transubstantiation/p025","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/ordination_and_transubstantiation/p025"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/ordination_and_transubstantiation/p025","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}