Dreizehnter Vortrag
Da wird der Erinnerungsvorgang durchchristet; da wird der Erinnerungsvorgang dadurch, daß er durchchristet wird, zugleich ins Moralische hinaufgehoben. Da wird der Mensch nicht bloß sein Ich konsolidieren, sondern da wird er — indem er die Rückerinnerung zu einem vollständigen Heraufheben desjenigen bringt, worüber er sich auch in moralischer Beziehung Rechenschaft ablegen will, indem der Vorgang zum Sakrament hin entwickelt und durch Kultus durchsetzt wird — herangeführt an den Involutionsvorgang der Buße, die ja im Katholizismus aus verschiedenen Teilen besteht, die alle deutlich ausgehen von der Erinnerung. Die Buße besteht ja [im Katholizismus] in der Gewissenserforschung, in der Reue, in dem ernstlichen Vorsatz, die Fehler, deren man an sich gewahr geworden ist, abzulegen in dem, was die Beichte ist — darüber werden wir noch zu sprechen haben — und in dem, was als Vergeltung man sich selber oder was einem der Seelsorger auferlegt. In diesem Aufbau besteht ja die vollständige Buße, und es ist das der Ausdruck für das, was eben der Involutionsvorgang sein soll zu dem Evolutionsvorgang der Gesamterinnerung, das heißt zu dem, was die Erinnerungskraft im Menschen macht.
Cite:
GA 343/sacraments_evolution_and_involution/p034 · edition original