{"corpus":"steiner","locus":"GA 343/speech_formation/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"In bezug auf das Schreiben gibt es zweierlei Menschen. Die Majorität lernt schreiben wie eine Art von gewohnheitsmäßigem Hinpfahlen der Worte. Man ist gewöhnt, die Hände in einer gewissen Weise zu bewegen und schreibt so; das ist die Majorität. Der Schreibunterricht wird sogar sehr häufig so erteilt, daß man dazu kommt. Die Minorität schreibt eigentlich nicht in diesem Sinne in Wirklichkeit, sondern sie zeichnet (es wird an die Tafel geschrieben: Kann). Sie schaut zugleich beim Zeichnen die Buchstaben an, die hingeschrieben werden, es ist eine künstlerische Behandlung des Schreibens, es ist ein viel innigeres Dabeisein. Ich habe Menschen kennengelernt, die sind zum Schreiben förmlich dressiert worden. Da war zum Beispiel einmal eine Schreibmethode, die bestand darin, daß die Menschen vollständig dressiert worden sind, Kreise, Kurven zu machen, zu drehen, um dieses Gelenkgefühl zu bekommen, und dann mußten sie daraus die Buchstaben formen; sie konnten dann auch nur in dieser Weise aus diesen Kurven heraus die Buchstaben zustandekriegen. Bei einer großen Anzahl davon habe ich dann gesehen, daß sie überhaupt, bevor sie anfingen zu schreiben, Bewegungen in der Luft machten mit der Feder. Das ist dasjenige, was das Schreiben in das Unbewußte des Körpers hineinholt. Nun geht aber unsere Sprache aus dem ganzen Menschen hervor, und wenn man sich durch das Schreiben verdirbt, verdirbt man sich auch für die Sprache. So daß gerade derjenige, der darauf angewiesen ist, die Sprache zu handhaben, eigentlich schon an diese Reflexion sich gewöhnen sollte, nicht nur aus der Hand heraus sein Schreiben fließen zu lassen, sondern es anzuschauen, es richtig anzuschauen, wenn er schreibt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1921-09-29","location":null,"word_count":259,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/speech_formation/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/343/speech_formation/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/343/speech_formation/p013","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}