Siebenter Vortrag
Wir haben im Grunde die Bibel nicht mehr, wir haben ein Derivat, das wir uns immer mehr und mehr für unsere abstrakt gewordene Sprache zurechtlegen. Wir brauchen einen neuen Ausgangspunkt, um zu versuchen, dasjenige, was wirklich lebendig in der Bibel liegt, wiederum zu finden. Damit habe ich den Gesichtspunkt angegeben, den ich dann morgen einhalten werde, indem ich versuchen werde, Ihnen Matthäus 13 und Markus 13 zu interpretieren. Sie werden allerdings dabei festhalten müssen, daß auch das Kommentieren der Bibel schon notwendig macht, daß man unbefangen auf die Bibel eingeht. Wer zum Beispiel sagt, da oder dort stehe etwas, was erst im Jahr 70 stattgefunden hat, also könne die betreffende Stelle nicht früher gesagt worden sein, als nachdem dieses Ereignis geschehen ist, der mag das sagen, aber man möchte dann nur, daß er an die Spitze seiner Bibelerklärung schreibt, er wolle die Bibel ganz materialistisch erklären; dann mag er es nur tun. Aus der Bibel selber folgt aber nicht, daß man sie materialistisch erklärt. Die Bibel macht schon notwendig, daß das Voraussehen kommender Ereignisse vor allen Dingen dem Christus Jesus selber, und auch den Aposteln zugeschrieben werde. Also wie gesagt, auf diesen Gesichtspunkt möchte ich morgen lieber anhand des Beispieles eingehen, wenn ich Ihnen Matthäus 13 und Markus 13 ein wenig interpretieren werde, wie es gewünscht wurde.
Cite:
GA 343/speech_formation/p020 · edition original