Siebenster Vortrag
Es handelt sich ja um eine Zeremonie, die sich abspielen soll für jeden einzelnen vor dem gesamten Auditorium; und wenn ich den Sinn dieser Zeremonie darstellen soll, so muß ich sagen: Diese Zeremonien, die von uns nach und nach vollzogen werden, bedeuten das allmähliche Priester-Werden. Heute würde die erste Etappe betrachtet werden. Da ist zunächst zu berücksichtigen, daß ja in dem Kultus, der Ihnen obliegen wird, das Menschenweiheopfer überall den Mittelpunkt bildet, so daß immer alles auf das Menschenweiheopfer zurücktendiert. Sie müssen sich darüber klar sein, daß in der modernen Religionsauffassung ja die mehr äußerliche Auffassung des Menschenweiheopfers die übliche ist. Da faßt man eigentlich das Menschenweiheopfernuraufalseine ArtNachwirkung des Abendmahles, das der Christus Jesus mit seinen Jüngern gepflogen hat, während die Messe, das Menschenweiheopfer, im Grunde ein fortwährendes Geschehen ist, das ausfließt von dem Mysterium von Golgatha. Denn in der Verkündigung des Evangeliums, in der Opferung, in der Transsubstantiation, in der Kommunion liegen die gesamten geistigen Geschehnisse - durch äußere Kultushandlungen ausgedrückt -, die eine Fortsetzung, eine Fortdauer des Wirkens des Mysteriums von Golgatha sind.
Cite:
GA 344/1922-09-12/p004 · edition original