Siebzehnter Vortrag

GA 344/1922-09-21_02/p031 ·1922-09-21 · original (original)
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Ja, meine lieben Freunde, in der Zeit, in der man offiziell so übersetzt hat, wie Sie es heute in der lutherischen Übersetzung haben, in der Zeit hat zu den schlichtesten Menschen nicht diese Evangelienübersetzung gesprochen, sondern dasjenige, was Jakob Böhme oder Paracelsus gesprochen haben. Die haben die Evangelien anders übersetzt und haben sie richtig verstanden, und die haben sie für die schlichten Gemüter in der richtigen Weise übersetzt, ganz anders als diejenigen, die damit prunkten, sie würden zum schlichten Gemüte sprechen. Sie haben in Paracelsus eine Persönlichkeit, für welche Religion als etwas galt, das einen viel weiteren Sinn hat, als die Religion gerade im Zeitalter des Intellektualismus bei denjenigen gewinnen muß, die diesen Intellektualismus des Kopfes durch einen sehr starken Intellektualismus des Gemütes ersetzen wollen, indem sie den Gottesbegriff frei machen von allem, gegenüber dem ja auch frei zu machen ... [hier hat der Stenograph eine Lücke gekennzeichnet]. Das ist das, was am allerunchristlichsten geworden ist in dem modernen Christentum. Bedenken Sie nur einmal, daß in Paracelsus eine Persönlichkeit lebte, für die die Religion so weit gilt, daß sie die Medizin mitumfaßt. In Paracelsus lebte eine Auffassung der Religion, die es ihm möglich machte, an dem Geistigen so festzuhalten, dafß man sich mit ihm durchdringen kann bis in die Krankheit hinein, so daß der Arzt derjenige ist, der den Willen Gottes auf Erden ausführt in bezug auf den Kranken. Für ihn war medizinischer Dienst religiöser Dienst. Und das ist das, was heute durchaus nötig ist: nicht nur ewig zu reden über das Ewige, sondern dieses Ewige hineinzutragen in alles Leben und es in allem Lebendigen regsam, wirksam zu machen.

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Cite: GA 344/1922-09-21_02/p031 · edition original