Siebzehnter Vortrag
Nun, Sie werden begreifen, daß diese Umstände so sein müssen, wenn Sie das folgende bedenken: Gerade über das Mysterium von Golgatha und über alles, was mit ihm zusammenhängt, wurde ja in den ersten Jahrhunderten des Christentums als von etwas Sekretem gesprochen. Wie man in den älteren Zeiten mit der Mysterienweisheit verfahren ist, das wissen Sie. Diese Mysterienweisheit galt eben nicht für etwas, was man unmittelbar auf die Straße trug, sondern man hielt die Mysterienweisheit für etwas ich habe das anschaulich zu beschreiben gesucht in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache und die Mysterien des Altertums» —, das man nur an jemand gab, der in der richtigen Weise mit dem ganzen Menschen darauf vorbereitet war. So wurde auch noch in den Resten der Mysterienweisheit, in der ja das Christentum vor den intimsten Bekennern in den ersten christlichen Jahrhunderten zuerst auftrat, auch gelehrt über das Mysterium von Golgatha selbst, indem man aber namentlich mit allem Tatsächlichen nicht so vorging, wie es heute in der äußeren Wissenschaft selbstverständlich ist, wo man nach den sogenannten historischen Quellen vorgeht, sondern man legte einen großen Wert darauf, den Todestag Jesu nicht aus einer historischen Quelle, sondern aus der Sternenweisheit zu bestimmen, also zu sagen: bei dieser und dieser Sternenkonstellation tritt der Tod des Jesus ein. So war die Form.
Cite:
GA 344/1922-09-21_02/p033 · edition original