Siebzehnter Vortrag

GA 344/1922-09-21_02/p052 ·1922-09-21 · original (original)
Author: Rudolf Steiner
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Rudolf Steiner: Es liegt kein Grund vor, Wien auszuschließen. Daß es geographisch abliegt? Nun, schließlich liegt Wien von Stuttgart geographisch nicht weiter ab als Königsberg. Das ist eine Frage, die lediglich damit zusammenhängt, ob Sie von Anfang an die Möglichkeit finden, Wien zu besetzen. Daß es gut ist, es zu besetzen, ist etwas, was ich durchaus annehme. Es liegt erstens gar kein Grund vor, Wien nicht zu besetzen, andererseits liegen die Verhältnisse in Österreich so, daß die Konfiguration des religiösen Lebens, das Sie jetzt in Österreich finden, eigentlich erst circa fünfzig Jahre alt ist und in den vorangegangenen Jahren eine ganz andere Konfiguration dieses religiösen Lebens vorhanden war. Gerade Österreich wäre ein außerordentlich günstiger Boden für eine solche Erneuerung des Christentums gewesen, wenn sie sorgfältig ins Werk gesetzt worden wäre, weil der Orthodoxismus der katholischen Priester vielen Leuten sehr fremd geworden ist, nicht nur den Laien, sondern auch Priestern. Nun ist über das alles, was in Österreich bis in die achtziger Jahre war, hinübergezogen das ganz unwahre christlich-soziale Element — das ist eine verkörperte Lüge. Das hat auch das religiöse Element ergriffen, und heute sind die Zustände so, daß man glaubt, in Österreich sei gar keine Empfänglichkeit für die Erneuerung des Christentums. In Österreich konnte man über Anthroposophie ziemlich frei sprechen, wenn man nicht dasjenige berührte, was an Katholizismus erinnerte ... [vom Stenographen gekennzeichnete Lücke im Text]. Dann wurde ja behauptet, daß Anthroposophie nur ein etwas verkappter Jesuitismus sei. Aber tatsächlich ist latent diese frühere Strömung noch immer da und ist, wenn man es richtig anfängt, ein guter Boden. [Es wird eine weitere Frage gestellt, die vom Stenographen nicht notiert worden ist.]

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Cite: GA 344/1922-09-21_02/p052 · edition original