{"corpus":"steiner","locus":"GA 346/1924-09-07/p045","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Man sagt auch, für gewisse Partien der Evangelien müsse man zum Griechischen zurückgehen. - Nun, ich habe allen schuldigen Respekt vor dem Griechisch-Können unserer Zeitgenossen, die sich redlich Mühe geben mit dem Verständnis des Griechischen. Aber die Wahrheit ist, daß heute kein Mensch mehr richtig Griechisch versteht, weil wir überhaupt nicht mehr das in uns haben, was der Grieche in sich hatte, wenn er sprach oder wenn er zuhörte. Wenn wir jemandem zuhören oder selbst sprechen, sind wir ja im Grunde genommen wie Mehlsäcke. Wir bleiben innerlich so ruhig, wie das Mehl im Sack ruhig bleibt, wenn es ordentlich verpackt ist. Das war bei dem Griechen nicht der Fall. In dem Griechen vibrierte sein Bewußtsein, wenn er zuhörte, er wurde innerlich lebendig, und aus der Lebendigkeit heraus sprach er. Die Worte, die er hörte und die, die er sprach, waren für ihn noch lebendige Körper, sie waren für ihn lebendig. Gar nicht zu reden von den orientalischen Völkern. Heute sind sie zwar in der Dekadenz, aber sie sind nicht so wie der europäische Mensch, der nicht mehr innerlich lebendig vernehmen kann, wenn er spricht oder zuhört. Hören Sie nur einem Orientalen zu, wie Sie es zum Beispiel bei Rabindranath Tagore tun können, hören Sie zu, wie diese Menschen selbst in ihren wenig bedeutenden Exemplaren das innere Weben und Leben darstellen, das in der Sprache lebt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1924-09-07","location":null,"word_count":225,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/346/1924-09-07/p045","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/346/1924-09-07/p045"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/346/1924-09-07/p045","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}