Vierter Vortrag
Hier berühren wir etwas Esoterisches, das vielleicht im bisherigen Verlauf unseres Zusammenseins überhaupt noch nicht so stark hervorgetreten ist, das aber doch einmal auch vor Euren meditativen Sinn treten muß. Denn zuweilen sprießt und spritzt heute — ich möchte sagen, nicht wie Blitzesflammen, denn die kommen von oben her, aber wie Vulkanflammen, denn die kommen von unten her — mancherlei, was in diesem oder jenem Bekenntnis von alten Mysterien zurückgeblieben ist. So gab es ja ich habe diese Tatsache schon öfter erwähnt — einen Hirtenbrief eines Erzbischofs, welcher nichts Geringeres als das folgende behauptete. In dem Brief war die Frage aufgeworfen: Wer ist höher, der Mensch oder Gott? -— Und es wurde in diesem Hirtenbrief, obwohl in einer gewundenen Rede, aber doch auf der anderen Seite auch wieder unverblümt, darauf aufmerksam gemacht, daß, wenn der Priester am Altar steht, wenn also der Mensch als Priester am Altar steht - von den übrigen Menschen gilt das nicht, aber für die Priester —, er höher sei als Gott, mächtiger als Gott, denn er könne Gott zwingen, irdische Gestalt in Brot und Wein anzunehmen. Wenn der Priester konsekriert, wenn er die Transsubstantiation vollzieht, dann müsse der Gott am Altar anwesend sein.
Cite:
GA 346/1924-09-08/p009 · edition original