Fünfter Vortrag
Gehen wir zunächst in die erste, zweite und dritte nachatlantische Epoche zurück. Die menschliche Seelenverfassung, überhaupt die ganze Verfassung des Menschen, sein Sich-Fühlen, ist in den früheren Epochen anders, als sie später geworden ist. Es war einst so, daß der Mensch ein deutliches inneres Fühlen seines Hineinwachsens in den Erdenaufenthalt hatte. Der Mensch hatte in seinem gewöhnlichen Bewußtsein noch eine deutliche Erinnerung daran, daß er vor seinem irdischen Leben droben in der Geisteswelt lebte. Wenn auch in der letzten Zeit vor dem Mysterium von Golgatha dieses Bewußtsein schon stark abgeschwächt war, es war doch in der ersten, zweiten und dritten nachatlantischen Epoche so bedeutsam vorhanden in jeder menschlichen Persönlichkeit, daß der Mensch wußte: Ich bin auch ein geistiges Wesen gewesen, bevor ich ein Kind geworden bin. — Diese Art von Seelenverfassung ist weniger in äußeren Dokumenten enthalten, aber es war so. Man rechnete nicht allein mit dem Erdenaufenthalt, man rechnete mit einer Fortsetzung des Erdenaufenthaltes nach rückwärts in die geistige Welt hinein. Das war es, was in der vierten nachatlantischen Epoche auftrat, gerade in der Epoche, die zusammenfiel mit dem Mysterium von Golgatha, daß der Mensch sein irdisches Leben sozusagen deutlich eingeschlossen sah durch die zwei Tore: das Tor der Geburt oder Empfängnis und das Tor des Todes.
Cite:
GA 346/1924-09-09/p010 · edition original