Fünfter Vortrag

GA 346/1924-09-09/p021 ·1924-09-09 · original (original)
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Damit muß heute die Priesterschaft beginnen. Die Priesterschaft muß damit beginnen, wieder den Seelenblick hinüberlenken zu können in das Herz des anderen Menschen. Das können ja heute die wenigsten Menschen. Der Mensch bleibt dem anderen Menschen heute furchtbar unbekannt. Sehen Sie, wenn man mit einer gewissen Ehrfurcht - und ohne Ehrfurcht geht ja das Lesen der Apokalypse nicht —, wenn man mit Ehrfurcht in der ApokaIypse die Stelle von den weißen Kleidern liest (Apk. 3, 4-5), mit denen diejenigen angetan werden müssen, die die Aufgabe der fünften Kulturepoche erfüllt haben, dann bekommt man den Eindruck: Hier handelt es sich darum, tief in diese besondere Bewußtseinsart des Menschen durch den Priesterblick hineinzuschauen, den Menschen, wie er nun im fünften nachatlantischen Zeitraum vor ihn hintritt, sozusagen kennenzulernen. Das ist die Mahnung: den Menschen kennenzulernen, nicht an den Kleidern, die er trägt, nicht durch das, was er in der äußeren Welt darstellt, sondern ihn an seinen Seelenkleidern kennenzulernen. Durch diesen Brief an die Gemeinde von Sardes spricht der Apokalyptiker diese Mahnung gerade in unsere Gegenwart hinein.

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Cite: GA 346/1924-09-09/p021 · edition original