Elfter Vortrag
Sie müssen nur einsehen, meine lieben Freunde, wie das beim Medium zustandekommt. Nicht wahr, ein Mensch wird dadurch zum Medium - und das war auch so bei den babylonischen Priestern —, daß durch äußere Gewalt herausgezogen werden Ich und astralischer Leib aus dem physischen und dem Ätherleib. Aber in dem Augenblick, wo Ich und Astralleib beim Medium aus dem physischen und ätherischen Leib herausgezogen sind, sitzt auch schon eine andere Macht in diesem Ich und Astralleibe drinnen. Je nachdem, ob der Initiator, der so etwas bewirkt, gute oder böse Absichten hat, ob er der linken oder der rechten Richtung angehört, kann das eine gute oder eine böse Macht sein. In der alten babylonischen Zeit kamen auf einem solchen Wege ganz ausgezeichnete Erkenntnisse und Offenbarungen zutage. Aber in späterer Zeit und heute zeigt sich der Nachteil: Wenn das Medium wieder zurückkommt in den physischen Leib, was tritt dann ein? Sehen Sie, mit der Logik, die man in der physischen Welt hat, um in der physischen Welt zwischen Lüge und Wahrheit zu unterscheiden, kommt man in der geistigen Welt nicht zurecht. Es ist ein völliger Irrtum, zu glauben, daß man die Begriffe von Lüge und Wahrheit, wie man sie in der physischen Welt mit Recht braucht, auch in der geistigen Welt anwenden kann. In der geistigen Welt ist nichts da, was man so unterscheiden sollte. Dort sind Wesenheiten da, die gut sind und solche, die böse sind. Man muß sie aus sich heraus erkennen, denn sie sagen einem nicht, welcher Art sie sind. Aber auch die bösen sind in ihrer Art wahr. Natürlich ist das schwer zu begreifen, wie überhaupt alles das schwer zu begreifen ist, was uns beim Betreten der geistigen Welt entgegentritt. Hier in der physischen Welt sagen wir zum Beispiel: Es ist die Gerade der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten. In der geistigen Welt kann das der längste Weg sein und jeder andere ist kürzer. Und so ist tatsächlich nichts von der Logik, die wir hier in der physischen Welt notwendig brauchen, in der geistigen Welt anwendbar.
Cite:
GA 346/1924-09-15/p010 · edition original