Siebzehnter Vortrag

GA 346/1924-09-21/p011 ·1924-09-21 · original (original)
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Das, was ich jetzt auseinandersetze, meine lieben Freunde, hat eine ungeheuer große historische Bedeutung, weil Sie, wenn Sie Schriften aus alter Zeit übernehmen, die sozusagen intim von diesen geistigen Welten handeln, diese überhaupt nicht lesen können, ohne sich des Umstandes bewußt zu sein, daß durch das Hineinleben in die geistige Welt wir zunächst gewissermaßen die niedrigste Hierarchie auf geistige Art wahrnehmen, während wir die höheren Hierarchien noch mit den Ingredienzien der Sinneswelt wahrnehmen. Und Sie müssen sich bewußt sein, daß die alte Initiationsweisheit, die das durchaus ganz richtig so geschildert hat, wie ich es jetzt schildere, allmählich in den Zeiten der Dekadenz des Spirituellen in allerlei Mißverständnisse hineingekommen ist. So finden wir bei den mehr weltlich gearteten Initiierten des Mittelalters die Sache immer so geschildert, daß der Erde nahestehen als die niedrigsten Hierarchien die Seraphim, Cherubim, Throne, und daß man aufsteigt durch Dynameis, Kyriotetes, Exusiai zu den Engeln, Erzengeln und Urkräften. Sehen Sie sich nur einmal mittelalterliche Bücher an, die illustriert sind, so werden Sie sich nicht auskennen und werden fragen, warum die Engel über den Seraphim sitzen. Das ist, weil man diese Vorgänge nicht mehr genau intim kannte und nicht mehr ganz organisch sich vorstellte. Der Irrtum entstand namentlich, als die ursprünglich ganz reine Lehre schon während der Zeit der jüdisch-babylonischen Gefangenschaft in der vorchristlichen Zeit durch die Berührung der Juden mit den Babyloniern sich verunreinigt hat an den Symbolen der Babylonier, und durch die Kabbala, durch die mittelalterliche jüdische Mystik, hat dieser Irrtum von der Rangordnung der geistigen Hierarchien sich weiter ausgebreitet. Wenn man überhaupt die Entwickelung der Vorstellungen über das Geistige im menschlichen Entwickelungsgang verstehen will, muß man mit solchen Sachen bekannt sein, und es ist hier der richtige Ort, im Zusammenhang mit dem Verständlichmachen der ApokaIypse diese Dinge zu besprechen.

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Cite: GA 346/1924-09-21/p011 · edition original