Siebzehnter Vortrag
Wenn man nun gewahr wird, wie diese Angeloi-, Archangeloi-, Archai-Welt eigentlich die Leiblichkeit des göttlichen Geistes ist und man da dieses Weben und Leben und Treiben und Tun und Arbeiten von Angeloi, Archangeloi und Archai schaut, wie da die Welt gewoben wird, wie der einzelne Mensch versorgt wird in seinem Seelischen von seinem Angelos, wie verschiedene Menschengruppen von den Archangeloi und Weltenströme des Geschehens von Zeitalter zu Zeitalter weitergeschoben werden durch die Archai, wenn man dieses ganze Weben dieses wunderbaren Gewandes, das da gewoben wird - das so schön ausgedrückt ist in der Proserpina-Sage, der Persephone-Sage Griechenlands —, wenn man dieses ganze Gewand der Welt nimmt, dann flutet darinnen wie das rote Blut im Körper die göttliche Liebe. Aber es gestaltet sich als notwendige Beigabe die Strömung des göttlichen Zornes, der sich immer aus alle dem bildet, was Hemmungen im Weltgeschehen sind, bewirkt durch wirklich moralisch empfindende Wesenheiten, die sich erst mit ihrem Moralischen mit dem Weltengange in Einklang setzen müssen, und wir sehen gewissermaßen in der göttlichen Liebe die göttliche Leiblichkeit in ihrem Sprießen und Sprossen, wir sehen in dem Zusammenhang mit den schwachen Geschöpfen, die aber doch die Wege kennzeichnen, in denen die Götter die Welt leiten wollen, wir sehen in dem, was von schwachen Geschöpfen ausgeht: Diesen Geistleib des göttlichen Geistes durchsetzt etwas wie die Absonderungsprodukte im menschlichen physischen Leibe; dasjenige, was sich im Menschen absondert in Drüsen, sondert sich da ab. Es erscheinen die Absonderungszentren wie die göttlichen Zornesschalen, die eingewoben sind in den Weltengang. Wir erkennen den Zusammenhang gerade innerhalb dieser drei Welten zwischen göttlicher Liebe und görttlichem Zorn, und wir bekommen innerlich die Ehrfurcht gebietende Vorstellung: Ja, was geschieht denn, indem die Zornesschalen sich ausgießen? Da denken die göttlich-geistigen Wesenheiten, wie sie unter den angeregten Untaten der schwachen Geschöpfe, wie sie gegen die Hemmungen den fortlaufenden Weltengang weiterbringen, und wie sie diese Hemmungen umformen in Vehikel des vorwärtsdringenden, geist-erfüllten Geschehens, damit der Mensch in seinem Abbauwesen die Möglichkeit ergreift, nicht bloß physisch vegetierend, sondern geistig-seelisch im Leibe vorzudringen. Das alles stellt der Apokalyptiker ganz den Wegen der Initiation gemäß vor. Es ist ein großartiges Hineinleben in den Weltengang durch die Apokalypse, bis in die konkreten physischen Ereignisse hinein, wie wir gestern und schon vorher gesehen haben. Es ist zu gleicher Zeit ein grandioses Hineinleben in die Wege der Einweihung, der Initiation.
Cite:
GA 346/1924-09-21/p015 · edition original