Siebzehnter Vortrag

GA 346/1924-09-21/p016 ·1924-09-21 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Wenn man so die Apokalypse betrachtet, dann wird sie erst etwas, was uns in gewisser Beziehung sehend macht für den Weltengang, so daß wir hineinschauen in dasjenige, was wir von der Zukunft brauchen und es in unsere Vorstellungen aufnehmen können. Sie wird aber weiter auch ein Meditationsbuch; sie ist in einer wunderbaren Weise als Meditationsbuch zu gebrauchen, sie ist in dieser Beziehung ganz großartig. Wenn Sie in der Apokalypse an eine Stelle kommen, die Ihnen zunächst für das Vorstellen, für das Erfassen etwas Paradoxes bietet, so hören Sie ja auf zu denken und beginnen Sie zu meditieren, denn das ist immer auch eine Stelle, wo Sie spiritueller werden können, indem Sie das, was Sie intellektuell nicht mehr erfassen können, innerlich aufnehmen und verarbeiten. Wenn also zum Beispiel ein Satz auftritt, wo vom Erscheinen einer bösen Drüse die Rede ist (Apk. 16, 2), dann sagt natürlich der Intellektualist: Drüsen können nur bei Menschen und Tieren sein. Was soll das? Das ist so ein poetisches Bild. - Man geht rasch darüber hinweg. Aber es ist nicht so. Der Apokalyptiker gebraucht das Wort Drüse, weil er weiß, daß das Reale im Mikrokosmos auch die Berechtigung hat, vorgestellt zu werden im Makrokosmos. Sie werden schon darauf kommen, wie das Drüsenhafte, das mit den Absonderungen zu tun hat, hinüberführt zu den Funktionen des göttlichen Zornes. So führen gerade die scheinbaren Paradoxa der Apokalypse dazu, das, was der heutige Mensch ja so gewöhnt ist, das bloß intellektuelle Verlaufen seines Seelenlebens, übergehen zu lassen in spirituelles Verlaufen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/346/1924-09-21/p016.json
Cite: GA 346/1924-09-21/p016 · edition original