Siebzehnter Vortrag
So ist es auch in der Pädagogik, die ja einen ganz merkwürdigen Gang durchgemacht hat, den die Priesterschaft wohl beachten sollte. Die Pädagogik ist ja von dem Instinktleben ausgegangen, sie hat am besten da gewirkt, wo man überhaupt nicht pädagogisch gedacht hat, sondern dasjenige gemacht hat, was der Instinkt eingegeben hat. Man hat in alter Zeit nicht Pädagogik getrieben, sondern gemacht, was der Instinkt eingegeben hat. Erst seit man das instinktive Erziehen verlernt hat, redet man viel von Pädagogik, und unser vieles Reden davon ist das Zeugnis, daß wir die schlechtesten Pädagogen der ganzen Entwickelung sind. Die Menschen fangen dann an, am meisten von einer Sache zu reden, wenn sie sie nicht mehr haben. So fing man auch an, über die Transsubstantiation zu reden, als man sie und ihr Geheimnis nicht mehr verstand. Wenn man die oft vorzüglichen intellektuellen Diskussionsinhalte einer Zeitströmung ins Auge fassen will, muß man bei dem, was sich da ausdrückt, fragen: Was fehlt eigentlichen diesen Menschen? In der Zeit, in der die Arbeiterfrage besonders stark diskutiert wurde, bedeutete diese Diskussion, daß man möglichst wenig von dieser Frage verstand in Wirklichkeit. Das geht natürlich viel weiter in der Zeit, in der in die Menschheit die Schrift gekommen ist und immer mehr ihr Gebrauch sich umgewandelt hat in den Druck. Es war das Zeitalter, in dem die Menschen immer weniger die göttliche Schrift verstanden, die aus Sternen, Sonne und Wind spricht.
Cite:
GA 346/1924-09-21/p018 · edition original